Die heißesten Tage des Jahres waren wohl für uns alle eine Belastung. Für Menschen, die auf der Straße leben, sind hohe Temperaturen und intensive UV-Strahlung nicht nur belastend – sie können lebensgefährlich werden. Denn sie sind der Sonne und der Hitze über viele Stunden unmittelbar ausgesetzt und haben kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, abzukühlen oder ausreichend zu trinken. Deshalb verstärken wir unsere Hilfsangebote für wohnungslose Menschen im Sommer.
Mit dem Streetwork-Bus und dem Lastenrad erreichen wir jeweils rund 100 Menschen pro Einsatz. Rund 100 Menschen besuchen zudem täglich das Streetwork-Café Mobilé.
„Die Klientel muss morgens die Notschlafstelle verlassen und dann schauen, wo sie – gerade im Sommer – wortwörtlich unterkommt“, beschreibt Streetworkerin Denise Rosenzweig die Situation. Besonders am Nachmittag gibt es nur wenige geöffnete Kontaktcafés.
Wasser als Überlebenshilfe
Immer wieder treffen die Sozialarbeitenden auf Menschen, die bereits stark dehydriert sind. Die Warnsignale werden von den Betroffenen häufig nicht rechtzeitig wahrgenommen. „Aktuell passiert es eigentlich bei jedem Einsatz, dass wir auf dehydrierte Menschen treffen“, berichtet Rosenzweig. Die Sozialarbeitenden haben deshalb neben sehr viel Wasser auch Einmal-Kühlpacks dabei, wie sie auch im Rettungsdienst eingesetzt werden. Nicht selten reicht die Erste Hilfe vor Ort jedoch nicht aus und der Rettungswagen muss hinzugezogen werden.

Fünf Einsätze pro Woche finden mit dem Streetwork-Bus statt. Angesteuert werden unter anderem die Armenküche in der Altstadt, der Worringer Platz, die Roßstraße in Derendorf und die Werdener Straße am Landgericht. Hinzu kommen flexible Einsätze mit dem Lastenrad oder zu Fuß.
Im Gepäck: Kühltücher, Caps, Fächer, Sonnencreme und Insektenspray sowie Trinkflaschen, Sommerschlafsäcke, Isomatten – und natürlich jede Menge Wasser. Refinanziert wurden die zusätzlichen Einkäufe durch die Sommerhilfe des Diözesan-Caritasverbandes. An besonders heißen Tagen gab es zusätzlich Wassereis und Melonen. „Das waren echte Highlights für die Menschen.“
Abkühlung von oben durch die mobile Dusche „jotdrop“
Insbesondere unsere mobile Dusche „jotdrop“ ist aktuell stark gefragt. „Angesichts des großen Andrangs stoßen wir längst an unsere Kapazitätsgrenzen und arbeiten mit einer Warteliste. Die Klientinnen und Klienten melden sich schon früh morgens für eine Dusche an“, berichtet Projektkoordinatorin Agnieszka Kuroszczyk.
Bis zu 18 Duschen am Tag sind derzeit möglich – wenn die Duschgäste Rücksicht aufeinander nehmen. An fünf Tagen in der Woche ist jotdrop an drei verschiedenen Standorten im Einsatz.
Hitze verschärft gesundheitliche Probleme
Die hohen Temperaturen verschärfen zugleich gesundheitliche Probleme. Wunden heilen schlechter, das Risiko für Infektionen steigt. Die Sozialarbeitenden beobachten derzeit vermehrt große Wunden, teilweise mit Insektenbefall.
Gemeinsame wöchentliche Einsätze mit den Kooperationspartnern von axept! und den Franzfreunden gehören deshalb ebenso zum festen Wochenplan wie die Zusammenarbeit mit care24. Durch diese Kooperation ist auch eine unmittelbare Wundversorgung möglich – ein Angebot, das aktuell verstärkt benötigt wird.
„An den heißesten Tagen Anfang Juli kam es sogar vor, dass Klientinnen und Klienten in ihrer Not Wasser aus dem Brunnen am Bertha-von-Suttner-Platz getrunken haben“, berichtet Rosenzweig. Die Folge waren Krankenhausaufenthalte.

Gemeinsame Hilfe bedeutet verstärkte Hilfe
Eine tolle Unterstützung gab es auch in diesem Jahr von den Düsseldorfer Wollengeln. Im Rahmen der mittlerweile traditionellen Aktion „Sommer im Rucksack“ konnten mehr als 70 Rucksäcke mit Aluminium-Trinkflaschen und Erste-Hilfe-Paketen an unsere Klientinnen und Klienten weitergegeben werden. So zeigt sich einmal mehr, dass gemeinsam am wirkungsvollsten geholfen werden kann.
Auf Unterstützung sind wir auch weiterhin angewiesen: Für die Sachkosten unserer aufsuchenden Sozialarbeit gibt es keine Regelfinanzierung. Mehr Spenden bedeuten mehr konkrete und überlebenswichtige Hilfe. Helfen Sie uns zu helfen. Spenden Sie hier.

