Stellenangebot

Hilfe ist vor allem da wichtig, wo oft weggesehen wird. Mitten in Düsseldorf, besonders rund um den Hauptbahnhof, prostituieren sich zahlreiche junge, oft wohnungslose Männer aus sozialer und finanzieller Not. Aufgrund der starken Tabuisierung sind sie sozial vereinsamt. Trotz hoher Gesundheitsrisiken fehlt es oft an einer Krankenversicherung, sie drohen durchs soziale Netz zu fallen. Genau hier setzt unser Projekt „Aufwind“ an – als einzige auf diese Klientel zugeschnittene Anlaufstelle in Düsseldorf.  

Mit einem niedrigschwelligen, aufsuchenden Ansatz werden die Menschen dort erreicht, wo sie sich tatsächlich aufhalten. Koordiniert und durchgeführt wird das Projekt von unserer Sozialarbeiterin Magdolna Varjas: „Ich gehe aktiv auf die jungen Männer zu und baue Schritt für Schritt Vertrauen auf. Dabei ist es mir wichtig, jeden Menschen in seiner individuellen Situation vorurteilsfrei anzunehmen und gemeinsam realistische Perspektiven zu entwickeln.“  

Vielseitiger Kontaktaufbau für großen Hilfebedarf  

Mehrmals wöchentlich ist die Sozialarbeiterin direkt in der Szene unterwegs, kommt mit den Betroffenen ins Gespräch und baut Vertrauen auf. Pro Einsatz werden zwischen 10 und 15 junge Männer erreicht, die ansonsten kaum Kontakt zu Hilfsstrukturen haben.

Doch die Szene verändert sich: Ein Teil der Prostitution verlagert sich zunehmend ins Internet. Auch darauf reagiert „Aufwind“ mit gezielter Ansprache im digitalen Raum. So gelingt es, auch jene zu erreichen, die nicht auf der Straße arbeiten.  

Im Mittelpunkt der Arbeit steht zunächst Aufklärung: über gesundheitliche Risiken, sexuell übertragbare Krankheiten, Gewalt und psychische Belastungen, die mit der Lebenssituation einhergehen. Darauf aufbauend können Strategien im Umgang mit Gewalt entwickelt und erste Wege aus der Krise aufgezeigt werden.  


Im Projektbüro in der Charlottenstraße werden Online-Beratungen durchgeführt, Anträge bearbeitet oder weiterführende Hilfen vermittelt. Die Streetwork-Einsätze finden hauptsächlich rund um den Hauptbahnhof statt.

Ausnahmslos alle Klienten leiden unter der Stigmatisierung durch ihre Arbeit. Dass ein Teil der Lebensrealität und auch Identität vor dem engsten sozialen Umfeld aus Angst vor dem Outing verheimlicht wird, stellt eine immense psychische Belastung dar. Diese Belastung durch ein Doppelleben betrifft oftmals auch die Freier. „Gespräche mit Freiern gehören zu der Arbeit ebenso dazu, einerseits um auch hier Aufklärung und Beratung zu leisten. Andererseits erhalten wir dadurch oft Hinweise auf Unterstützungsbedarfe bei den Sexarbeitern“, erklärt Varjas.  

Von Unterstützung bei der Grundversorgung bis zur Begleitung zum Vorstellungsgespräch  

Ein zentraler Baustein ist das Streetwork-Café „Mobilé“. Hier finden die Klienten eine geschützte Anlaufstelle mit grundlegender Versorgung: warme Mahlzeiten, Kleidung sowie Möglichkeiten zur Körperhygiene. Vor allem bietet das Mobilé Raum für persönliche Beratung.   

Dabei ist die Unterstützung durch „Aufwind“ ganzheitlich. Unsere Sozialarbeiterin leistet nicht nur psychosoziale Beratung, sondern begleitet auch bei Behördengängen, unterstützt bei administrativen Fragen, hilft beim Schreiben von Bewerbungen und bereitet auf Vorstellungsgespräche vor. Ziel ist es, langfristige Alternativen zur Prostitution zu schaffen – etwa durch den Zugang zu Bildungsangeboten, die Vermittlung in Ausbildung sowie Qualifizierungsmaßnahmen oder Beschäftigung.  

Jeder Klient ist anders – und so auch unsere Hilfe  

Dabei gibt es kein starres Vorgehen: Die Lebenslagen der Klienten sind so unterschiedlich wie ihre Wege. „Aufwind“ setzt genau dort an, wo Hilfe gebraucht wird, und entwickelt gemeinsam mit den Betroffenen passende und auch realistische Perspektiven – individuell und ressourcenorientiert. „Zu erleben, dass Menschen, die sich lange versteckt haben, langsam wieder Perspektiven entwickeln und selbstbestimmt handeln können, ist ein großer Antrieb für mich. Aber auch strukturell soll Aufwind etwas bewegen.“  

So steht das Projekt für eine klare Haltung: hinschauen statt wegsehen, unterstützen statt verurteilen. Varjas: „Durch die Arbeit wollen wir dazu beitragen, gesellschaftliche Stigmatisierung abzubauen und mehr Sensibilität für die Lebenssituation der Betroffenen zu schaffen.“


Gefördert wird das Projekt Aufwind" von Aktion Mensch.