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Prostituiertenschutzgesetz greift zu kurz - wir diskutieren mit

Menschen, die der Prostitution nachgehen, vor gesundheitlichen, sozialen und psychischen Problemen zu schützen, ist das Ziel, das mittels des Prostituiertenschutzgesetzes von 2017 erreicht werden sollte. Dass das Gesetz teilweise an den Lebenswirklichkeiten der Betroffenen vorbeigeht und dass alternative Wege notwendig sind, ist das Ergebnis der landesweiten FachtagungProstituiertenschutzgesetz - Ziel verfehlt?", auf der auch wir von Flingern mobil gesprochen und diskutiert haben.

Keinerlei Besserung hat das Gesetz insbesondere für männliche Prostituierte mit Migrationshintergrund gebracht - also für jenes Klientel, dem wir uns von Flingern mobil seit sechs Jahren im Rahmen des ProjektsAufwind" annehmen.Circa 80 Prozent unserer Klienten stammen aus dem südosteuropäischen Raum. Sexualität, Homosexualität und Prostitution sind dort in der Regel hoch tabuisierte Themen. Dementsprechend fürchten unsere Klienten eine Aufdeckung durch die Auflagen des Prostituiertenschutzgesetzes und leiden unter der Doppeltabuisierung von Prostitution und Homosexualität", erklärt Philipp Braun, Fachbereichsleiter Beratung und Begleitung.

Hintergrund der Problematik ist, dass die Umsetzung des Gesetzes an starke Reglementierungen gebunden ist: Sich prostituierende Menschen sind verpflichtet, sich beim Ordnungsamt sowie beim Finanzamt anzumelden, eine sich jährlich wiederholende Gesundheitsberatung zu absolvieren und darüber hinaus ein Dokument mit sich zu führen, das sie als Prostituierte ausweist.

Für ohnehin legal arbeitende Prostituierte stellt dies kein Hindernis dar. Allerdings arbeitet der Großteil sich prostituierender Menschen illegal - aus Scham und aus der Not. Bei diesem Klientel wecken die obligatorischen Behördengänge oftmals eher Ängste als Vertrauen, so dass sich Prostitution immer weiter in den Bereich der Anonymität bewegt.

Entsprechend relevant ist unsere Hilfe gerade hier:Das Ziel unseres ProjektsAufwind" ist es, denen zu helfen, die sonst keine Hilfe und Unterstützung erhalten. Im Falle unserer Klienten, die der mann-männlichen Prostitution nachgehen, versuchen wir die Lebenssituationen konkret zu verbessern und ein fester Halt und Anlaufpunkt zu sein. Dabei klären wir persönlich über Gesundheitsfragen auf, beraten im Sozialrecht, begleiten zu Ämterterminen und zeigen Wege aus der Szene auf. Nicht zuletzt versuchen wir, die (Fach-)Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Prostitution in einem größeren Kontext gesehen werden muss, um die Lebensumstände aller Betroffenen zu verbessern."